Verhandlung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in Berlin
Verhandlung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in Berlin, Pixabay/Foto illustrativ

Ein führendes Mitglied einer mutmaßlichen Balkan-Mafiaorganisation ist in Berlin wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 35-jährige Serbe im Februar 2020 einen Mordanschlag in Charlottenburg in Auftrag gegeben hatte. Vorsitzender Richter Matthias Schertz betonte am Freitag, dass der Mann mit hoher krimineller Energie gehandelt habe.

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Matthias Schertz bestätigt Tat in Berlin-Charlottenburg

Laut Anklage hatte der Angeklagte am 17. Februar 2020 einen Auftragsmörder beauftragt. Das Opfer, ein Mitglied der rivalisierenden Skaljari-Gruppe, wurde in Berlin-Charlottenburg auf dem Weg zu seinem Wohnhaus von Schüssen überrascht. Der Anschlag scheiterte, da die Schüsse ihr Ziel verfehlten. Das Opfer konnte in den Hausflur fliehen und blieb unverletzt. Zwei Wochen später kam es jedoch in Montenegro durch eine Autobombe ums Leben. Dieser Fall war nicht Teil des Berliner Verfahrens.

Richter Schertz stellte fest, dass der Angeklagte die Tat minutiös vorbereitet hatte. Dazu gehörten:

  • Organisation der Anreise der Täter
  • Beschaffung von Wohnung und Waffe
  • Übermittlung letzter Anweisungen per Chatnachrichten kurz vor der Tat

Vracar-Gruppe und Kavac-Clan im Hintergrund

Es gibt Hinweise, dass der Verurteilte eine führende Rolle in der serbischen Vracar-Gruppe spielte. Diese Gruppierung soll im Auftrag des Kavac-Clans aus Montenegro gehandelt haben. Ziel war ein führendes Mitglied der Skaljari-Gruppierung. Nach Erkenntnissen der Ermittler führten die Auseinandersetzungen zwischen Kavac und Skaljari zu über 80 Morden und Mordversuchen in Europa.

Die Staatsanwaltschaft forderte im Berliner Prozess eine Strafe von zwölfeinhalb Jahren. Die Verteidigung beantragte hingegen Freispruch. Sie argumentierte, dass die Chatnachrichten nach deutschem Recht nicht verwertbar seien und zudem möglicherweise manipuliert wurden.

12 Jahre Haft für den Täter
12 Jahre Haft für den Täter, Pixabay/Foto illustrativ

Verhaftung in Barcelona und Auslieferung nach Berlin

Der Angeklagte wurde im Oktober 2024 in Barcelona festgenommen. Im Frühjahr 2025 erfolgte seine Auslieferung nach Deutschland. Er kam in Berlin in Untersuchungshaft. Gesucht wurde der Mann auch von Österreich, Kroatien, Montenegro und Serbien.

Ihm werden weitere Verbrechen vorgeworfen, darunter:

  1. Beteiligung an acht Morden
  2. Schwerer Raub
  3. Verstöße gegen das Waffengesetz
  4. Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung

Chatnachrichten als zentrales Beweismittel

Die Kammer stützte sich in ihrem Urteil auf zahlreiche Chatnachrichten, die über verschlüsselte Handys geführt wurden. Sie ließen sich eindeutig dem Angeklagten zuordnen, auch durch Fotos, die ihn zeigten. Richter Schertz bezeichnete den Einwand einer möglichen Manipulation als „abwegig“.

Der Angeklagte schwieg während des gesamten Prozesses. Selbst die Möglichkeit eines letzten Wortes nutzte er nicht. Die Verhandlung fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt, wie es bei Prozessen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität üblich ist.

 Quelle: rbb24