Neues Schutzhaus für Frauen und Kinder in Berlin
Neues Schutzhaus für Frauen und Kinder in Berlin, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Berlin baut seine Schutzstruktur für Betroffene häuslicher Gewalt weiter aus. Im Süden der Hauptstadt ist eine neue Einrichtung entstanden. Sie bietet Frauen und ihren Kindern Schutz vor akuter Bedrohung. Das Projekt kostete rund 2,5 Millionen Euro. Seit Mitte Januar leben dort bereits 18 Frauen und 13 Kinder. Die Adresse bleibt aus Sicherheitsgründen vertraulich. Träger ist ein Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin. Weitere Entwicklungen in der Hauptstadt finden sich auch unter Infos aus Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Cansel Kiziltepe und die Kapazitäten in Berlin

Mit der neuen Einrichtung verfügt Berlin nun über 9 Frauenhäuser. Insgesamt existieren jetzt 393 Familienplätze mit 859 Betten für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder. Das neue Haus ergänzt das System um 26 Familienplätze in 10 abgeschlossenen Wohnungen.

Die Sozial- und Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe betonte bei der Eröffnung die besondere Ausrichtung auf Mütter mit Kindern. Nach ihren Angaben machen Kinder regelmäßig mehr als 50 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner in den Häusern aus. Das neue Gewalthilfegesetz gewährt ihnen ein eigenes Recht auf Schutz und Beratung.

  • mehrere Sozialarbeiterinnen für psychosoziale Beratung
  • 1 Psychologin für therapeutische Unterstützung
  • 2 Erzieherinnen für die pädagogische Begleitung der Kinder

Jede Familie erhält eine eigene Wohneinheit. Die Unterbringung erfolgt getrennt und geschützt.

Istanbul-Konvention und gesetzliche Vorgaben für Berlin

Grundlage für den Ausbau ist die Istanbul-Konvention. Ziel dieses Übereinkommens aus dem Jahr 2011 ist die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Der Vertrag trat im August 2014 in Kraft. In Deutschland gilt er seit Februar 2018. Weitere Informationen stellt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereit
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gewalt-gegen-frauen/istanbul-konvention

Nach den Vorgaben muss Berlin 390 kostenfreie Familienplätze vorhalten. Derzeit stehen 239 solcher kostenfreien Plätze in Frauenhäusern zur Verfügung. Weitere Plätze sollen noch im laufenden Jahr geschaffen werden.

Zusätzlich existieren 154 Familienplätze in sogenannten Zufluchtswohnungen. Diese sind ebenfalls Schutzorte. Im Zusammenhang mit Unterkünften und sozialen Strukturen siehe auch neue Unterkunft in Neukölln. Allerdings müssen Betroffene in Zufluchtswohnungen entweder selbst die Miete tragen oder eine Kostenübernahme vorlegen.

Bundeskriminalamt und bundesweite Zahlen 2024

Die aktuelle Statistik weist einen weiteren Höchststand aus. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden 2024 bundesweit mehr als 187.000 weibliche Opfer häuslicher Gewalt registriert. Insgesamt waren 265.942 Menschen betroffen, so viele wie nie zuvor.

Der Anstieg gegenüber 2023 betrug 3,7 Prozent. Rein statistisch wurde damit etwa alle 2 Minuten ein Mensch Opfer häuslicher Gewalt. 2023 lag der Anteil weiblicher Opfer bei 70,5 Prozent. Weitere sicherheitsrelevante Entwicklungen in der Hauptstadt mehr hier. Fachleute gehen zusätzlich von einer Dunkelziffer aus, da nicht alle Fälle angezeigt werden.

Staatsanwaltschaft Berlin und Anklagequote 2024

In Berlin verzeichnete die Staatsanwaltschaft 2024 insgesamt 15.045 Verfahrenseingänge im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Gemeint sind Fälle, in denen Polizei oder Anklagebehörde ausreichende Hinweise für Ermittlungen sahen.

Im gleichen Zeitraum wurden 441 Anklagen erhoben. Das entspricht 2,9 Prozent der registrierten Eingänge.

Für den Gewaltschutz stehen 2024 laut Sozialverwaltung rund 37,5 Millionen Euro inklusive Bundesmittel bereit. 2025 sind 43,1 Millionen Euro eingeplant. Zusätzlich bewilligte das Berliner Abgeordnetenhaus 19,3 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 zur Schaffung und zum Betrieb neuer Plätze.

Mit dem neunten Frauen- und Kinderschutzhaus erweitert Berlin sein Schutzangebot quantitativ und strukturell. Die Kapazitäten steigen. Die gesetzlichen Anforderungen der internationalen Vereinbarungen rücken näher.

FAQ

Wie viele Frauenhäuser gibt es aktuell in Berlin?

In Berlin gibt es derzeit 9 Frauenhäuser mit insgesamt 393 Familienplätzen und 859 Betten für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder.

Wie viele Plätze bietet das neue Frauen- und Kinderschutzhaus?

Das neue Haus im Süden Berlins verfügt über 26 Familienplätze in 10 abgeschlossenen Wohnungen. Seit Mitte Januar sind dort 18 Frauen und 13 Kinder untergebracht.

Was schreibt die Istanbul-Konvention für Berlin vor?

Die Istanbul-Konvention verpflichtet Berlin, 390 kostenfreie Familienplätze für von Gewalt betroffene Frauen bereitzustellen. Derzeit stehen 239 kostenfreie Plätze in Frauenhäusern zur Verfügung.

Wie viele Menschen waren 2024 bundesweit von häuslicher Gewalt betroffen?

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes waren 2024 insgesamt 265.942 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen. Mehr als 187.000 der registrierten Opfer waren weiblich.

Wie hoch ist die Anklagequote bei häuslicher Gewalt in Berlin?

Im Jahr 2024 registrierte die Staatsanwaltschaft Berlin 15.045 Verfahrenseingänge im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. In 441 Fällen wurde Anklage erhoben, was 2,9 Prozent der Eingänge entspricht.

Quelle: TAGESSCHAU, MILEKCORP