Ukrainische Geflüchtete suchen Schutz und Hoffnung in Deutschland
Ukrainische Geflüchtete suchen Schutz und Hoffnung in Deutschland, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Seit September reisen wieder mehr junge Männer aus der Ukraine nach Deutschland. Sie verlassen ihr Heimatland auf der Suche nach Schutz, Stabilität und einer Zukunft ohne Krieg. Die ukrainische Regierung erlaubt seit Ende August erstmals wieder Männern zwischen 18 und 22 Jahren die Ausreise. Diese Entscheidung hat zu einem deutlichen Anstieg der Ankünfte in Berlin und Brandenburg geführt.

  • Durchschnittlich kamen 2025 pro Woche rund 150 Menschen aus der Ukraine nach Berlin.
  • In den ersten beiden Novemberwochen waren es laut Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) etwa viermal so viele.
  • In Brandenburg stieg die Zahl im Oktober auf 458, verglichen mit 32 im Juni.

Mehr über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Hauptstadt erfahren Sie in dem Beitrag Berlin stoppt zehn neue Unterkünfte für Geflüchtete.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Andriy aus Lwiw auf dem Weg nach Wittenberge
  2. Liubova Talibova und das Beratungszentrum Laruhelps in Berlin
  3. Danylo zwischen Front und Flucht
  4. Integration und Zukunft in Deutschland

Andriy aus Lwiw auf dem Weg nach Wittenberge

Andriy*, 22 Jahre alt, stammt aus Lwiw. Er hat die Ukraine im September verlassen. Für ihn spielte das Ziel keine Rolle, Hauptsache weg. Er wollte ein Land hinter sich lassen, in dem er nachts auf Drohnenangriffe wartete und wusste, dass er es nicht rechtzeitig in einen Schutzraum schaffen würde. Vier Jahre lang durfte er die Ukraine nicht verlassen. Nun, da die Grenze geöffnet war, packte er die Gelegenheit.

Gemeinsam mit seiner Freundin verließ er Lwiw. Sein Vermieter zeigte Verständnis, als er kurzfristig kündigte. Ein Verwandter brachte sie im Auto nach Deutschland, genauer nach Wittenberge in der Prignitz. Der Ort zählt weniger als 20.000 Einwohner – ein starker Kontrast zu Lwiw mit rund 700.000 Menschen. Für Andriy zählt jetzt nur eines: Sicherheit. In Wittenberge lebt er ohne Luftalarm, ohne Angst, und das sei für ihn das Wichtigste.

Liubova Talibova und das Beratungszentrum Laruhelps in Berlin

Viele Ankommende sind erschöpft. Das bestätigt Liubova Talibova von der Berliner Hilfsorganisation Laruhelps. Ihr Team betreibt zwei Beratungszentren, darunter eines im Einkaufszentrum am Treptower Park. Auf jedem Tisch stehen zwei kleine Flaggen – die deutsche und die ukrainische. An der Wand hängt ein selbstgemaltes Bild mit der Aufschrift „Danke Deutschland“.

Vor der Tür warten bis zu 20 Menschen. Es gibt wenig Platz, und direkt daneben arbeitet eine laute Baustelle. Einige warten stundenlang, manche schon seit dem Vortag. Die Hilfsorganisation unterstützt die Neuankömmlinge vor allem beim Durchlaufen der deutschen Bürokratie. Das Ziel ist, ihnen den Start zu erleichtern – von Anträgen bis zur Wohnungssuche.

Mehr zur Flüchtlingshilfe und zu ähnlichen Projekten in der Hauptstadt lesen Sie unter Flüchtlingshilfe in Berlin.

Danylo zwischen Front und Flucht

Unter den Wartenden ist Danylo*, 25 Jahre alt. Er kam vor zwei Wochen nach Berlin und lebt derzeit bei einem Freund. Früher war er Soldat. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil die Ukraine mein Land ist. Ich kann nicht einfach nur zugucken, wenn es angegriffen wird“, sagt er. Zwei Jahre kämpfte er an verschiedenen Frontabschnitten, von Donbass bis Cherson.

Viele seiner Kameraden überlebten nicht oder kehrten schwer verletzt zurück. Schließlich wurde Danylo aus gesundheitlichen Gründen aus der Armee entlassen. Über Polen gelangte er nach Deutschland. Nach langem Warten im Beratungszentrum erhielt er die Nachricht, dass er nicht aufgenommen wird, da er in Polen bereits registriert ist. Er muss dorthin zurückkehren.

Ein ähnlicher Anstieg bei Verfahren ist auch in anderen Städten zu beobachten – mehr dazu unter Zahl der Asylverfahren in Cottbus steigt stark an.

Integration und Zukunft in Deutschland

Andriy und seine Freundin leben inzwischen in Kassel. Dort hat sie bereits früher gewohnt. Nachts wacht er oft in Panik auf, doch tagsüber besucht er Deutschkurse. Sein Abschluss in Kunstpädagogik wird teilweise anerkannt. Das Paar möchte in Deutschland bleiben, wenn es gelingt, sich zu integrieren.

Auch Danylo will bleiben, obwohl seine Lage ungewiss ist. Er versteht die, die sich entschieden haben, das Land zu verlassen, ebenso wie jene, die kämpfen. Für ihn sind offene Grenzen und Wahlfreiheit entscheidend.

Der Krieg zwingt viele junge Menschen aus der Ukraine zu schwierigen Entscheidungen. Manche suchen Schutz, andere bleiben im Land. Doch eines eint sie alle – der Wunsch nach Sicherheit und einem Leben ohne Angst.

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Karte: Google Maps

Quelle: RBB24, WEBRIVAIG

FAQ

Warum dürfen junge Männer aus der Ukraine jetzt ausreisen?

Seit Ende August 2025 erlaubt die ukrainische Regierung Männern zwischen 18 und 22 Jahren erstmals wieder, das Land zu verlassen. Diese Entscheidung führte zu einem deutlichen Anstieg der Ausreisen nach Deutschland.

Wie viele Menschen aus der Ukraine kamen zuletzt nach Berlin?

Laut dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten kamen im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 150 Menschen pro Woche nach Berlin. In den ersten beiden Novemberwochen waren es rund viermal so viele.

Wer hilft Geflüchteten bei ihrer Ankunft in Berlin?

Organisationen wie Laruhelps in Berlin unterstützen Ankommende mit Beratung, Übersetzungshilfe und Begleitung bei Behördengängen. Ihre Büros befinden sich unter anderem am Treptower Park.

Wo leben viele ukrainische Geflüchtete in Brandenburg?

Viele Geflüchtete wurden in Städten wie Wittenberge in der Prignitz oder in kleineren Orten in Brandenburg untergebracht, wo mehr Wohnraum verfügbar ist als in Berlin.

Welche Probleme haben Geflüchtete nach ihrer Ankunft?

Viele Menschen berichten von Erschöpfung, Sprachbarrieren und Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Zudem sind bürokratische Verfahren oft komplex und langwierig.

Wer ist Andriy und warum hat er die Ukraine verlassen?

Andriy ist ein 22-jähriger Mann aus Lwiw, der im September 2025 nach Deutschland kam. Er floh vor unsicheren Lebensbedingungen, wirtschaftlicher Not und der Angst vor dem Krieg.

Welche Perspektive haben Geflüchtete wie Danylo in Deutschland?

Einige hoffen auf langfristigen Aufenthalt und Integration, andere müssen aufgrund früherer Registrierung in anderen EU-Ländern zurückkehren. Viele beginnen Deutschkurse und versuchen, beruflich Fuß zu fassen.