Die Ausstellung von Jan Böhmermann im Haus der Kulturen der Welt verliert sämtliche geplante Musikauftritte. Nach dem Streit um den Rapper Chefket sagten alle weiteren Künstlerinnen und Künstler ihre Teilnahme ab.
Inhaltsverzeichnis:
- Chefket-Auftritt im Haus der Kulturen der Welt gestrichen
- Absagen von Domiziana, Wa22ermann und Drunken Masters
- Kritik von Blumengarten und Domiziana
- Wolfram Weimer und die politische Debatte
- Reaktionen von Künstlern und Böhmermann
Chefket-Auftritt im Haus der Kulturen der Welt gestrichen
Der Rapper Chefket durfte nicht auftreten, nachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer öffentlichen Druck ausübte. Anlass war ein Shirt, das Chefket in Videos auf Instagram getragen hatte. Darauf war eine stilisierte Nahost-Karte mit der Bezeichnung Palästina zu sehen, jedoch ohne Israel. Ob das Motiv rechtlich verboten ist, blieb unklar. Die Berliner Polizei antwortete bisher nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Das Kleidungsstück ähnelt einem Fußball-Trikot. Es ist nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen europäischen Städten verbreitet. Vor allem in sportlichen Kontexten taucht es seit Jahren auf. Dort wird es als Modeartikel verstanden, der mit Fußball-Designs verbunden ist.
Böhmermann und sein Team erklärten, dass die Absage auch mit dem Datum zusammenhing. Das Konzert wäre am 7. Oktober, dem zweiten Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel, angesetzt gewesen. Man habe deshalb keine Integrität der Veranstaltung garantieren können.
Absagen von Domiziana, Wa22ermann und Drunken Masters
Nach Chefket sagten weitere Künstler ihre geplanten Auftritte ab. Dazu gehörten:
- Domiziana
- Wa22ermann
- Drunken Masters
Kurz darauf schlossen sich auch Mine und Akryl an. Mine schrieb mit ihrer Band auf Instagram, dass es "keine Möglichkeit gebe, das Konzert guten Gewissens zu spielen".
Am Montag folgte dann die Band Blumengarten. Sie hätten eigentlich am selben Tag auftreten sollen. In einem von "Hiphop.de" veröffentlichten Statement erklärten sie, sie hätten Chefket ihren Platz angeboten. Da dieser jedoch kurzfristig nicht einspringen konnte, sei auch ihr Auftritt abgesagt worden.
Kritik von Blumengarten und Domiziana
Die Musiker Blumengarten kritisierten den politischen Druck auf Veranstalter und Künstler. Sie erklärten, dass Kultur und Medien gezielt beeinflusst worden seien. Auch Domiziana äußerte Unmut. Sie sagte, Böhmermann hätte für den Auftritt von Chefket einen anderen Termin finden können, anstatt den 7. Oktober zu wählen.
Die Situation führte zu einem Dominoeffekt. Am Ende war kein einziges Konzert mehr im Programm der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" im Haus der Kulturen der Welt.
Wolfram Weimer und die politische Debatte
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer war die treibende Kraft hinter der Absage. Er hatte Chefket eine antisemitische Haltung vorgeworfen. Weimer ist parteilos, in der Kulturszene jedoch stark umstritten.
Bereits 2025 gab es eine Petition gegen seine Ernennung zum Kulturstaatsminister. Sie wurde von mehr als 70.000 Personen unterschrieben. Die Unterzeichner befürchteten, dass er nicht für eine offene Kulturlandschaft eintreten werde. Weimer war in der Vergangenheit als Kritiker des Islam bekannt geworden.
Reaktionen von Künstlern und Böhmermann
Viele der beteiligten Künstler nahmen auch Bezug auf den Krieg in Israel und Gaza. Mine schrieb in ihrem Statement, dass die Lage in Gaza entmenschlichend sei. Sie sprach von einem Genozid, der für alle sichtbar sei.
Böhmermann selbst äußerte sich nicht direkt mit einem offiziellen Statement zu den Absagen. Er postete jedoch auf Instagram ein Bild seiner Ausstellung am Haus der Kulturen der Welt. In dem Beitrag verlinkte er Chefket und fügte den Song "IGN" des Rappers hinzu. In diesem Lied wendet sich Chefket gegen Vorurteile und Verschwörungstheorien.
Dazu setzte Böhmermann drei Emojis: ein Herz, eine Faust und ein zwinkerndes Gesicht. Die Reaktionen auf diesen Post waren gemischt.
Quelle: rbb24, Youtube, Welt